Praxis für Sexualmedizin & Paartherapie - Guido Schneider

_Sexuelle Sucht

In den großen international anerkannten Diagnose-Klassifikationen gibt es keine genaue Definition einer entsprechenden Störung. Allerdings gibt es zum Phänomen der sexuellen Süchtigkeit unterschiedliche Theorien, die jedoch zum Teil widersprüchlich sind. Insgesamt handelt es sich um eine Problematik, die bisher nicht zufrieden stellend wissenschaftlich untersucht ist.

 Woran leiden Menschen, die wegen einer sexuellen Sucht um Hilfe nachsuchen?
 Der Begriff der Sucht legt zunächst eine Art Kontrollverlust nahe. Die Art und Weise, wie Betroffene Sexualität und Lust erleben, erzeugt für sie oder ihr Umfeld Belastungen oder Einschränkungen, die den Wunsch nach Kontrolle dieser Verhaltensweise aufkommen lässt. An dieser Kontrolle scheitern die Betroffenen jedoch.


Durch ihr sexuelles Verhalten geraten Betroffene häufig in soziale, berufliche, partnerschaftliche oder finanzielle Probleme, mitunter auch in körperlich gefährdende Situationen.


Daneben können auch Phantasien, die unterdrückt werden müssen, einen erheblichen Leidensdruck verursachen.



Bei einer sexuellen Sucht können folgende Symptome gefunden werden:

 

  • exzessive Selbstbefriedigung
  • Pornographie-, Telefonsex-, Cybersexabhängigkeit (Internet)
  • verstärkt promiskes Verhalten
  • Inkompatibilität sexueller Wünsche in Partnerschaften

 

Oft kann das Ausleben der sexuellen Wünsche Schuldgefühle und Angst auslösen. Betroffene bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen lustvoller Faszination und Erregung einerseits sowie Scham, Schuldgefühlen und Angst andererseits. Diese Ambivalenz kann einen starken Leidensdruck auslösen. Als Beispiel sei ein Mann skizziert, der nachts kaum noch schläft, weil er suchtartig im Internet von einer Porno-Seite zur nächsten surft. Dadurch kommt es zu beträchtlichen Schulden bei entsprechenden Internetdiensten. Durch die Übermüdung häufen sich Konzentrationsfehler am Arbeitsplatz, die erst zu einer Abmahnung und schließlich zur Kündigung führen. Es kommt zum Rückzug aus dem bisherigen Familien- und Freundeskreis und einer weiteren Zunahme des Pornographiekonsums, der teilweise länger als 24 Stunden ohne nennenswerte Pausen stattfindet. Durch den Internetkonsum werden weite Bereiche des täglichen Lebens erheblich vernachlässigt. In der Fachliteratur wird wegen des suchtartigen Charakters der Problematik die Nähe zu paraphilen Störungen diskutiert, bei denen ebenfalls ein suchtartiges Erleben beschrieben wird.


Es findet aber eine klare Abgrenzung zur Paraphilie statt. Die sexuelle Sucht wird jedoch auf Grund der Gemeinsamkeiten auch als "Paraphilie-verwandte-Störung" (parphilia-related-disorder) beschrieben. In der Literatur sind auch traditionelle Begriffe wie Nymphomanie, Donjuanismus und Satyrismus zu finden.

 



In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich, dass Betroffene zusätzlich an Angststörungen, Depressionen, Alkohol- oder Drogenabhängigkeiten, Essstörungen und Spielsucht leiden.