Praxis für Sexualmedizin & Paartherapie - Köln

_Irrtürmer

Es gibt einige verbreitete, aber irrtümliche Annahmen, die sich in Paarbeziehungen negativ auswirken können.

Sie erschweren den praktischen Umgang mit Schwierigkeiten.

 

Wenn man sich liebt, dann muss man sich doch verstehen!

Der Umkehrschluss daraus wäre: Wir verstehen uns nicht, also lieben wir uns nicht (mehr). Missverständnisse werden bei dieser Haltung zu einem Gradmesser für Liebe, statt sie als normalen Teil der Paarkommunikation zu begreifen.

Eine solche Annahme kann eine ungünstige Entwicklung in Gang setzten. Die Zuschreibung angeblich mangelnder Liebe ist meistens eine negative Unterstellung, die zu Misstrauen und Verletzungen zwischen den Partnern führt.

Es kommt zu gegenseitigen Entwertungen der Partner, die bei beiden Ärger, Scham und Abwehr verursachen.

In der Folge kann es zur Entfremdung kommen: Beide ziehen sich zurück und stellen die Beziehung zunehmend infrage. Der Konflikt wird dabei allein auf der Beziehungsebene gesehen, doch das eigentlich zugrunde liegende Missverständnis bleibt ungeklärt. Dies mündet dann häufig in weitere Schwierigkeiten.

 

Wir können uns doch nicht streiten! Wir lieben uns doch!

Viele Menschen haben die Vorstellung, ein Paar, das sich liebt, streite nicht. Sie fühlen sich schlecht, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, denn die Wenigsten haben gelernt, einen Konflikt positiv zu bewältigen. Wahrscheinlich haben sie eher belastende Erfahrungen im Zusammenhang mit Streit gesammelt. Solche negativen Erfahrungen verleiten häufig dazu, weiteren Streit zu vermeiden, um sich und die Paarbeziehung zu schützen.

Schwierige Themen werden nicht besprochen und bleiben ungeklärt. Die Partner weichen auf indirekte Methoden aus, um sich mitzuteilen, denn Verletztheit und Unsicherheit verhindern, dem anderen seine Gefühle und Bedürfnisse offen anzuvertrauen. Das geschieht meistens unbewusst, beeinflusst aber trotzdem Verhalten und Kommunikation in der Partnerschaft. Unausgesprochene Gefühle und Konflikte leben fort und wirken aus dem Untergrund. Dies hat den Nachteil: Eine indirekte Kommunikation ist mehrdeutig. Es bleibt unklar, worum es geht.

Dadurch werden Missverständnisse und Streit erstrecht begünstigt. Ein anregendes, befriedigendes Miteinander wird erheblich erschwert. Ungelöste Probleme häufen sich und beanspruchen immer mehr Raum in der Beziehung. Die Partner werden dadurch zunehmend belastet, und der innere Abstand zwischen ihnen vergrößert sich. Obwohl sie nicht streiten, sind beide trotzdem frustriert, denn die hinter den Konflikten schlummernden Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse bleiben unbeachtet und unbefriedigt.

 

Angriff ist die beste Verteidigung!

Andere Paare begeben sich direkt mit Haut und Haaren in ihre Konflikte und streiten sich heftig. Dabei kommt es teilweise zu aggressiven Streitverläufen, die häufig einem gleichbleibenden Schema folgen, aber nur selten das eigentliche Konfliktthema behandeln. Die Regeln fairen Streitens bleiben unberücksichtigt, und die Chancen durch den Streit eine Klärung herbeizuführen, sind daher minimal. Auch hier wird in erster Linie auf der Beziehungsebene gekämpft, statt der eigentlich vorliegenden Meinungsverschiedenheit auf der Sachebene auf den Grund zu gehen.

Paare erleben sich häufig in solchen Situationen gefangen; keiner der beiden Partner ist bereit, nachzugeben, und wenn es erst einmal richtig losgegangen ist, kommen sie nur schwer wieder aus dem Streit heraus. Erst eine Eskalation beendet dann den Streit, was bei beiden Partnern zu Verletzung und Verunsicherung führt. Auch wenn im Streit beide Partner ihre Unzufriedenheit mit der Situation ausdrücken, verhindert die Heftigkeit der Auseinandersetzung die offene Aufklärung des eigentlichen Konflikts. In der Regel führen solche Streitverläufe zu emotionalen Blockaden und innerem Rückzug der Partner. Wertschätzende Gefühle werden immer seltener geäußert, sie werden von negativen Gefühle und Abwertungen verdrängt. Die Beziehung wird zunehmend als belastend erlebt und infrage gestellt.