Praxis für Sexualmedizin & Paartherapie - Köln

_Gesprächsregeln

Einleitung

Eine wichtige Vorrausetzung für ein Gespräch ist zunächst, dass Sie sich selbst darüber im Klaren sind, was Sie Ihrem Partner mitteilen möchten. Wenn Sie Ihre Vorstellungen, Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle kennen und diese auch benennen können, dann können Sie diese auch anderen darlegen. Was möchten Sie hier und jetzt zu dieser Gelegenheit von sich mitteilen?

Zudem ist für persönliche Gespräche ein angenehmer Rahmen, der für beide Partner stimmig ist, ausgesprochen wichtig. Dies wird häufig unterschätzt. Fühlt sich einer von beiden nicht wohl in seiner Haut, wird er sich schwer tun mit Offenheit und Geduld. Ein gutes Gespräch verträgt keinen Stress. Deshalb ist es hilfreich, sich einen konkreten zeitlichen Rahmen zu setzen, der Ihnen ermöglicht, dass Sie in guten Kontakt kommen, und ebenso ausufernde Gespräche vermeiden hilft. 

Für das Reden

  • Reden Sie von sich. Teilen Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse offen mit, in dem Sie die Ich-Form benutzen.
  • Vermeiden Sie Du-Sätze, die meist als Anklagen beim anderen ankommen.
  • Formulieren Sie Ihre Wünsche, anstatt Vorwürfe zu machen.
  • Werden Sie konkret! Sprechen Sie von einer konkreten Situation und beschreiben Sie konkrete Verhaltensweisen, die Sie in dieser Situation beobachtet haben. Erzählen Sie dem anderen, wie Sie sein Verhalten erlebt haben und was es in Ihnen ausgelöst hat.  Zum Beispiel: Am Wochenende, als Du verreist warst, hast Du nicht angerufen. - Das hat mich gekränkt. Ich möchte spüren, dass ich Dir wichtig bin.
  • Verzichten Sie auf Verallgemeinerungen wie "immer" und "nie" und vermeiden Sie negative Bewertungen des anderen, wie "Das ist wieder mal typisch!" oder "Du bist einfach unzuverlässig." Damit ernten Sie nur Widerspruch und Abwehr, anstatt auf offene Ohren zu treffen.
  • Bleiben Sie bei Ihrem Thema und der gegenwärtigen Situation. Sie erleichtern sich die Klärung , wenn Sie vermeiden, zusätzlich alte Probleme wieder auf den Tisch zu bringen.
  • Teilen Sie Ihre Freude über ein gelungenes Gespräch mit. Zum Beispiel: Ich bin wirklich erleichtert, dass ich Dir das so offen sagen konnte. Ich freue mich, dass Du mir so aufgeschlossen zugehört hast. Ich fühle mich jetzt wirklich verstanden.



Für das Zuhören

  • Zeigen Sie, dass Sie zuhören. Blickkontakt und nonverbale Zeichen der gegenseitigen Aufmerksamkeit sind ausgesprochen wichtig und schenken Ermutigung, weiter zu sprechen.
  • Lassen Sie den anderen ausreden. Unterbrechungen im Redefluss erzeugen Missverständnisse und Widerstand. Vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie im Anschluss Ihre Sichtweise darlegen können. Auch Sie wünschen sich, dass Ihr Partner/ Ihre Partnerin Ihnen dann zuhört.
  • Geben Sie Rückmeldung, in dem Sie die wesentlichen Aussagen des anderen in eigenen Worten zusammenfassen. Das hilft, Missverständnisse direkt aufzudecken. Gleichzeitig verlangsamen Sie auf diese Weise das Gespräch und strukturieren es. Dies ist besonders wichtig in schwierigen Konfliktgesprächen.
  • Fragen Sie offen nach, wenn Ihnen etwas nicht klar ist. Stellen Sie Fragen, die dem anderen Spielraum geben, sich weiter zu erklären. Zum Beispiel: Wie ging es Dir dabei? oder Welche Gedanken hast Du Dir dazu gemacht?
  • Melden Sie Ihrem Partner konkret Ihre Gefühle zurück, wenn das Gesagte, bzw. Gehörte Sie aufwühlt. Vielleicht reagieren Sie ärgerlich auf eine bestimmte Aussage des anderen. Vermeiden Sie dann Rechtfertigungen wie "Das stimmt doch gar nicht," sondern  benennen Sie stattdessen konkret Ihr Gefühl: Ich bin enttäuscht, dass Du das so wahrnimmst. Sprechen Sie später ausführlicher darüber, wenn es Ihnen wichtig ist.
  • Teilen Sie Ihre Freude über ein gelungenes Gespräch mit. Zum Beispiel: Wie gut, dass Du mir das so offen gesagt hast. Ich kann Dich jetzt verstehen und wirklich nachvollziehen, warum Du so verärgert reagiert hast. Ich bin richtig froh, dass wir das gemeinsam klären konnten.